Dies und Das Serien

5 Serien aus Ostasien, die ihr gesehen haben solltet

Während andere Menschen im vergangenen Jahr drei Romane geschrieben oder zwei Fremdsprachen gelernt haben, oder plötzlich zu Rennrad-Experten wurden, habe ich meine Liebe für ostasiatische Serien entdeckt.

Seit letztem März stammten praktisch alle Serien, die ich gebinged habe, aus China, Südkorea oder Japan. Wie sehr nahezu alle westlichen Filme und Serien auf denselben, teilweise antiken Erzähltheorien (z.B. Aristoteles) fußen, wird einem erst bewusst, wenn man sich mit einem Buch, einer Serie oder einem Film auseinandersetzt, wo dieser kulturelle Einfluss wegfällt. Ich weiß nicht, wie oft ich im letzten Jahr „Ach, das geht auch anders?“ gedacht habe, wenn ich mir was Nicht-Westliches angesehen habe.

(Was natürlich nicht heißt, dass ostasiatische Serien nicht eigene Normen und Tropes bedienen, aber sie unterscheiden sich eben von denen in westlicher Literatur. Ich meine, ist ja auch logisch.)

Happy-End nicht garantiert

Was ich an Serien aus China, Korea und Japan (aus Taiwan habe ich mir noch keine angesehen) wirklich sehr liebe und bewundere, ist die oft poetische Art, über Figuren zu erzählen. Häufig ist das Erzähltempo wesentlich langsamer, als man es hierzulande gewohnt ist, und die Drehbuchautoren streuen auf so wunderbare Weise phantastische oder magische Elemente ein, dass mir echt warm ums Herz wird. (Nicht zu vergessen das Drama. Denn im Gegensatz zu westlichen Shows, wo man für ein Nicht-Happy-End gerne sofort mit dem Emmy gekürt wird, agieren ostasiatische Autor*innen da befreiter. Am Anfang einer Serie oder eines Films kann man sich eines Happy Ends nie gewiss sein. Aber das macht es irgendwie umso schöner, wenn es dann doch eins gibt. Allerdings gucke ich letzte Folgen deswegen nie an Tagen, an denen ich eigentlich was Fluffiges zur Aufmunterung brauche. Den Anfängerfehler habe ich einmal gemacht ? )

Da kommt Hollywood gar nicht mehr hin

Am Anfang kam ich mir ein bisschen merkwürdig vor, weil ich mich mit solcher Begeisterung auf Serien und Filme aus Ostasien gestürzt habe, aber mittlerweile bin ich mir ziemlich sicher, dass nicht nur der „Oh, neu! Shiny!“-Faktor dazu beigetragen hat. Die Art der Figuren und Geschichten aus den ostasiatischen Serien erreichen in mir Orte, die Hollywood schon vor langer Zeit verloren hat.

Und weil wir doch alle Empfehlungen und Listen lieben, habe ich hier mal ein paar Serien zusammengetragen, die mir im letzten Jahr besonders gut gefallen haben.

Vorab ein kurzer Disclaimer: Ich bin eine weiße Mitteleuropäerin, an der mit Sicherheit viele Nuancen in den Serien aus Japan, Korea und China vorbeigehen. Daher maße ich es mir nicht an darüber zu urteilen, inwiefern die Serien möglicherweise -ismen enthalten, die im Westen als problematisch gelten. Das steht mir schlichtweg nicht zu, da ich nicht alle Fakten, sozialen Komponenten, gesellschaftliche Geflechte usw. kenne, wegen denen z.B. Figuren auf eine bestimmte Art dargestellt werden. Ich kann auch nicht einschätzen, inwiefern gewisse Handlungen und Dialoge für die Zuschauer*innen codiert sind, weil mir diese Codes fehlen. Ggfs. problematische Darstellungen zu kritisieren, ist daher das Vorrecht der Menschen, die aus diesem Kulturkreis stammen. 

Okay, sind wir dann soweit? Auf geht’s.

Kingdom

(Südkorea, auf Netflix)

Originaltitel: 킹덤

Korea, Anfang des 17. Jahrhunderts. Thronfolger Lee Changs Leben ist in ständiger Gefahr, da er der uneheliche Sohn einer Konkubine ist, und der König mit seiner neuen jungen Frau ein gemeinsames Kind erwartet. Als Gerüchte die Runde machen, dass der König an einer merkwürdigen Krankheit gestorben ist, macht Lee Chang sich auf den Weg zum Palast. Gleichzeitig breitet sich im Land eine merkwürdige Plage aus, die Menschen in fleischfressende Monster verwandelt und nicht aufzuhalten scheint.

Kingdom, Netflix

Eigentlich mag ich Zombie-Sachen nicht, es sei denn, sie bringen extrem gute Figuren und eine spannende Geschichte mit. „Kingdom“ ist direkt in vieler Hinsicht großartig – die Geschichte, die Intrigen am Hof, die Figuren und Schauspieler, die Musik, die Cinematografie, die gesamte Produktion, alles stimmt. Dazu kommt das ungewöhnliche Setting: Warum sollen alle Zombie-Geschichten im hier und jetzt spielen? Warum nicht um 1600? „Kingdom“ hat bisher zwei Staffeln, die auf einem kleinen Cliffhanger enden, grundsätzlich aber in sich abgeschlossen sind.

Warnung: Die Serie ist mitunter sehr brutal und blutig.

The Untamed

(China, auf Rakuten Viki)

Originaltitel: 陈情令

Mit 50 Folgen ist diese Serie so komplex und voller Subplots, dass eine Zusammenfassung kaum möglich ist. Daher so: „The Untamed“ erzählt die Geschichte des jungen, lebenslustigen Wei Wuxian und dessen langsamen Abstieg in die Welt der dunklen Magie und Dämonenbeschwörung, die schließlich in einer Katastrophe endet, und seinem besten Freund und Seelenverwandten Lan Wangji, der alles versucht, um dieses Unheil abzuwenden.

„The Untamed“ ist eine Xianxia-Verfilmung, die man hierzulande vermutlich lapidar als „Fantasy“ einordnen würde. Es lohnt sich, sich vorher ein bisschen in das Thema Wuxia/Xianxia einzulesen, weil die Serie sich keine Mühe macht, das großartig zu erklären. Und warum sollte sie auch? Die chinesische Zielgruppe weiß, worum es geht.

The Untamed

Davon abgesehen ist „The Untamed“ eine der Serien, die mich nach langer Zeit mal wieder so richtig emotional gepackt und durch den Dreck geschleift haben. Dabei nimmt sie sich sehr viel Zeit, Wei Wuxian und auch Lan Wangji und deren Beziehung zueinander zu zeichnen, und steuert dabei so unerbittlich auf die Katastrophe zu wie eine griechische Tragödie. Was „The Untamed“ hin und wieder bei den Special Effects etc. missen lässt, macht sie alleine durch die Figuren wett. Die Schauspieler sind zudem durch die Bank weg fantastisch.

Apropos die Figuren: In der Romanvorlage beginnen Wei Wuxian und Lan Wangji eine Beziehung miteinander, deren Darstellung im Film und Fernsehen die chinesische Zensur aber nicht erlaubt. So bleibt es bei Subtext (so viel Subtext).

Meow the Secret Boy

(Südkorea, auf Rakuten Viki)

Originaltitel: 어서와

Grafikdesignerin Kim Sol Ah träumt davon, einen gefeierten Webcomic zu zeichnen, doch der Erfolg bleibt aus. Überhaupt herrscht in ihrem Leben Stillstand. Das ändert sich, als sie den Kater Hong Jo mit nach Hause bringt, obwohl sie Katzen eigentlich nicht viel abgewinnen kann. Wie sich herausstellt, ist Hong Jo kein gewöhnlicher Kater – denn er kann sich in einen jungen Mann verwandeln.

Meow the Secret Boy

Anscheinend bin ich mit meiner Begeisterung für diese Serie allein auf weiter Flur, denn im koreanischen Fernsehen hatte sie miserable Einschaltquoten. Ich zumindest fand sie magisch und zauberhaft, wunderschön gefilmt und still erzählt, und sehr poetisch.  (Ich finde auch, dass Kim Myung Soo seine Rolle als Kater in Menschengestalt echt gut macht, aber was weiß ich schon 😀 )

Alice in Borderland

(Japan, auf Netflix)

Originaltitel: 今際の国のアリス

Arisu ist hochintelligent, verschwendet seine Tage aber damit, Spiele zu zocken und sich mit seinen beiden besten Freunden zu treffen, anstatt sich einen Job zu suchen. Sein belangloses Leben ändert sich schlagartig, als er sich eines Tages von einer Sekunde auf die andere im menschenleeren Tokio wiederfindet. Dort finden allabendlich brutale Spiele statt, in denen die wenigen Verbliebenen ums Überleben kämpfen müssen.

Alice in Borderland, Netflix

Wie „Kingdom“ geht auch „Alice in Borderland“ nicht zimperlich mit dem Zuschauer um: Die Spiele sind extrem gewalttätig und die Serie allgemein düster, und doch zieht sie einen unbarmherzig in ihren Bann. Wie alles, was von Netflix produziert wird, ist auch „Alice in Borderland“ aufwändig und qualitativ hochwertig gemacht, mit exzellenten Schauspielern und Drehbuch. Staffel 1 endet auf einem Cliffhanger, eine zweite Staffel wurde aber schon bestätigt.

Extraordinary You

(Südkorea, auf Netflix)

Originaltitel: 어쩌다 발견한 하루

Eun Dan Oh ist eine hübsche Tochter aus gutem Hause, beliebt in der Schule und so gut wie verlobt mit dem mürrischen aber attraktiven Baek Kyung. Dann findet Dan Oh heraus, dass sie lediglich eine Nebenfigur in einem romantischen Webtoon ist, die in erster Linie das zentrale Liebespaar zusammenbringen soll. So beschließt sie, mithilfe einer namenlosen Nebenfigur ihr Schicksal selbst in die Hände zu nehmen. Doch das Schicksal lässt sich nicht so leicht austricksen.

Extraordinary You, Netflix

Ich gebe es zu: Ich habe noch nie so sehr bei einer Serie geheult wie bei den letzten beiden Folgen von „Extraordinary You“, dabei kommt die Prämisse auf den ersten Blick nicht nach einem Stoff daher, der einem das Herz rausreißt und notdürftig geflickt zurückgibt.

„Extraordinary You“ ist toll gemacht, und spielt auf wunderbare Weise mit Klischees und Stereotypen. Dazu kommen eine wirklich bezaubernde Liebesgeschichte, gute Schauspieler und ein cleverer Weltenbau. Die Serie steht jetzt schon auf meiner „Rewatch“-Liste, so sehr habe ich mich darin verliebt.

Was ist mit euch? Guckt ihr ostasiatische Serien? Habt ihr Empfehlungen für mich?

Und falls ihr bisher noch nie in Serien aus Korea, China oder Japan reingeschaut habt, dann hoffe ich, dass ihr hoffentlich jetzt ein bisschen Lust darauf bekommen habt. Es lohnt sich.

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