Malen

Kreative Schübe: Meine Liebe zu Aquarellfarben

In regelmäßigen Abständen überkommt es mich, und dann muss ich mein Skizzenbuch und meine Aquarellfarben auspacken, und malen. Viel malen. 

Lange Zeit dachte ich, dass ich einfach nicht in der Lage sei, mich – abgesehen vom Schreiben – einer Sache wirklich lang zu widmen. Und es ärgerte mich maßlos, wenn ich auf Twitter, Instagram oder auf anderen Plattformen unfassbar talentierte Künstler*innen sah und wusste, dass ich nie so gut werden würde. Oder schlimmer noch, dass ich so gut hätte sein können, wenn ich nur von Anfang an dabei geblieben, wenn ich brav jeden Tag skizziert und mein Handwerk verbessert hätte, wenn ich doch nur …

(Mit einer wirklich hervorragenden Illustratorin befreundet zu sein, ist da auch nicht gerade förderlich, ich sag es euch.)

Die perfekte Welle

Genau wie das Stricken kommt auch das Malen in Wellen zu mir zurück, und ich bemerke langsam, wie jahreszeitabhängig das ist. Stricken, Musik und Malen sind für mich Dinge, die ich zum Abschalten brauche. 

Aquarellfarben

Wenn es im Herbst draußen langsam kalt und ungemütlich wird, dann mümmele ich mich zuhause ein und arbeite mit Wolle. Wenn die Welt im Frühling draußen wieder langsam zum Leben erwacht, wenn die Tage länger werden und einfach auch mehr Licht zum Malen da ist, dann wacht in mir das Bedürfnis, meine Farben wieder auspacken, auf. Dann male ich wie verrückt. 

Die Horterin des Kunstbedarfs

Ich habe einen ganzen Schrank voll Kunstutensilien, und ein Teil von mir schämt sich immer ein bisschen, wenn die Farben, Pinsel und Stifte monatelang brach liegen. Ich hab da so viel Geld für ausgegeben! Ich sollte es nutzen! Das Prinzip, dass ich mir was Gutes gönne, in dem ich sicherstelle, dass die Farben da sind, wenn ich sie brauche, muss ich auch erst noch lernen. Denn ich weiß sicher, dass ich sie brauchen werde. Ich male schon so lange wie ich denken kann, und dass es mir unterwegs wegen den ruppigen Kommentaren einer Kunstlehrerin verloren ging, bereue ich bis heute. 

Aquarellfarben

(Und deswegen bin ich auch stark versucht, mir endlich die Gansai-Farben von Kuretake zuzulegen, mit denen ich schon seit Jahren liebäugele.)

Kreative Schübe kommen und gehen bei mir. Das ist okay, auch wenn ich noch verinnerlichen muss, dass es okay ist. Vielleicht ist es nicht ganz so leicht für mich, weil mir als Kind beigebracht wurde, dass man sich einer Sache schon ernsthaft widmen muss, wenn man sie einmal begonnen hat. Einfach mit etwas aufzuhören, war selten eine Option. Das hat geprägt.

Aquarellfarben

Liebe Romy, du musst nicht 365 Tage im Jahr malen, oder stricken, oder Lieder schreiben. Wichtig ist, dass es dir gut geht und du Spaß an der Sache hast. Und wenn du irgendwann keinen Spaß mehr an etwas hast, dann darfst du auch damit aufhören. Ganz ehrlich.

Viele Grüße

Ich

1 Kommentar

  1. Studio Ghibli, und wie wir endlich zueinander fanden - Das Bücherfräulein

    16. April 2021 at 09:58

    […] Dann passierten zwei Dinge: Eine Pandemie suchte uns heim, und ich fing wieder verstärkt an, zu malen. […]

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