Dies und Das

Gärtnern für Anfänger: Wir gestalten einen Garten

Obwohl ich das unglaubliche Glück hatte, in einem Einfamilienhaus mit Garten aufzuwachsen, hat Gartenarbeit für mich praktisch nie eine Rolle gespielt. Im Gegenteil, Menschen, die sich voller Leidenschaft auf ihre Gartengestaltung stürzten, sorgten bei mir immer eher für Unverständnis. Zumindest bis vor kurzem.

Apfelblüten

Meine Eltern hatten unseren Garten von jeher – sagen wir – „naturnah“ gehalten. Grundstück zu besitzen, bedeutete für meine Parentalfraktion in erster Linie ungeliebte Arbeit. So wuchs ich mit dem Verständnis auf, dass Rasenmähen lästig, Hecke schneiden die Hölle und Unkraut jäten anstrengend ist.

Wir erben einen Garten

Unser Garten war zum Spielen da, nicht zum Gestalten und Anschauen. In gewisser Hinsicht bin ich dafür heute noch dankbar. Doch als unser Elternhaus vor einigen Jahren in die Hände von meinem Bruder und mir fiel, sahen wir den Garten als das, was uns über Jahre beigebracht worden war: Ein überflüssiges Anhängsel. Die Terrasse war sanierungsbedürftig, das Blumenbeet völlig mit Brombeeren zugewuchert. Nicht zu vergessen der Rasen, der irgendwie ständig gemäht werden musste. (Immerhin für die Tiere was das gut.)

Lavendel

Irgendwann im letzten Jahr dann machte es dann doch noch „Klick“. Vielleicht lag es daran, dass das gesamte öffentliche Leben zum Stillstand kam und man sich andere Räume zum Eskapismus suchen musste, aber nach und nach gingen mein Bruder (der dauerhaft im Haus wohnt) und ich das Projekt „Garten“ an.

Arbeitshandschuhe Garten

Für die ersten Monate bedeutete das, jedes Wochenende wild wuchernde Brombeerbüsche zurückzuschneiden. Oder die Hecken zu stutzen, das Unkraut aus den Beeten zu entfernen und den Lehmboden mit Spaten und viel Kraft und Schweiß aufzulockern. Und immer, wenn eine Ecke fertig war, wucherte an anderer Stelle wieder etwas zu. Lange Zeit schien es nicht möglich, den Garten überhaupt in einen Ort zu verwandeln, an dem man sich gerne aufhalten würde.

Das Unkraut ist weg – und nun?

Irgendwann im Spätsommer letzten Jahres stellten wir dann überrascht fest, dass wir den Garten in einen Zustand bekommen hatten, in dem wir ihn nur noch pflegen, aber nicht mehr komplett umgraben mussten.  Was bedeutete, dass wir uns dieses Jahr ernsthaft damit auseinandersetzen wollen, wie wir den Garten gestalten wollen. Was irgendwie auch schwieriger ist als gedacht, denn ein paar Blümchen pflanzen reicht nicht. Wenn man einmal anfängt, sich mit der Materie auseinanderzusetzen, wird schon die neue Bepflanzung eines Blumenbeetes zu einer Wissenschaft für sich. (Höhe? Stauden? Bodendecker? Blütezeit? Farbkombination? Hilfe.)

Pfingstrosen

Momentan beschäftige ich mich also nebenbei damit, welche Pflanzen man zusammensetzt, um ein ganzjähriges bienenfreundliches Beet zu gestalten (einen super Artikel gibt es dazu hier auf Dein kleiner Garten) Am Wochenende buddle ich mich weiter durch die Erde und schneide Sträucher zurück. Letzteres finde ich so meditativ, dass ich mir vielleicht doch mal einen Bonsai zulegen sollte.

Lavendel im Topf

Mein Garten wird ein Langzeitprojekt, allein schon aus finanziellen Gründen, aber das macht nichts. Mit jeder aufgeräumten Ecke, jeder gepflanzten Blume kehrt mehr Leben und mehr Entspannung in den Gartenraum zurück. Und die Freude wenn man feststellt, dass totgeglaubte Blumen den Winter doch irgendwie überstanden haben und erste neue Blätter bilden!

Ich glaube langsam, die begeisterten Gärtner*innen und Landschaftsarchitekt*innen sind da was auf der Spur.

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