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Fräulein liest: „Murder on Black Swan Lane“ – Andrea Penrose

„Murder on Black Swan Lane“ ist das, was passiert, wenn man sich alle denkbar coolen Tropes und Figuren zusammensucht, und am Ende doch nicht so richtig weiß, was man damit anstellen soll.

Ich meine, was hat die Autorin Andrea Penrose für „Murder on Black Swan Lane“ nicht alles Cooles zusammen getragen:

  • Eine Murder Mystery in Regency England
  • Einen Earl, der des Mordes beschuldigt wird und sich in seiner Freizeit für Chemie interessiert
  • Eine verarmte Protagonistin, die als Karikaturistin arbeitet
  • Ein Paar Straßenkinder, die von der Protagonistin halb adoptiert wurden
  • Einen Geheimbund
  • Morde
  • Alchemie
  • Einen Butler, der dem Earl die Meinung geigt und in erster Linie als Laborassistent fungiert.

Was ist da schiefgelaufen?

Im Ernst, wer geht denn davon aus, dass das schiefgehen kann? Tatsächlich konnte mir das Buch von Anfang an nicht mehr als ein müdes Schulterzucken entlocken.  Aber bevor ich weiter mache, hier der offizielle Klappentext:

The Earl of Wrexford possesses a brilliant scientific mind, but boredom and pride lead him to reckless behavior. So when pompous, pious Reverend Josiah Holworthy publicly condemns him for debauchery, Wrexford unsheathes his rapier-sharp wit and strikes back. As their war of words escalates, London’s most popular satirical cartoonist, A.J. Quill, skewers them both. But then the clergyman is found slain in a church—his face burned by chemicals, his throat slashed ear to ear—and Wrexford finds himself the chief suspect.

 An artist in her own right, Charlotte Sloane has secretly slipped into the persona of her late husband, using his nom de plume, A.J. Quill. When Wrexford discovers her true identity, she fears it will be her undoing. But he has a proposal—use her sources to unveil the clergyman’s clandestine involvement in questionable scientific practices, and unmask the real murderer. Soon Lord Wrexford and the mysterious Mrs. Sloane plunge into a dangerous shadow world hidden among London’s intellectual enclaves to trap a cunning adversary—before they fall victim to the next experiment in villainy . . .

Quelle: Amazon

Ja, ist mir egal jetzt

 Ich weiß nicht, ob ich tatsächlich zu viel Regency Romance gelesen habe oder ob Krimis einfach nicht mein Fall sind, aber für mich war die Murder Mystery bestenfalls unterhaltsam genug, dass ich nicht völlig eingeschlafen bin, und die Figurenzeichnung … ausbaufähig. Es mag daran liegen, dass Penrose mit „Murder on Black Swan Lane“ offensichtlich den ersten Teil einer Reihe anteasern wollte, aber das meiste aus der Vergangenheit des Heldes und der Heldin wird bedeutungsschwanger angedeutet, aber nicht weiter erklärt. Was dazu führt, dass ich wirklich wirklich gerne mit den Protagonistinnen mitfühlen möchte, sie mir aber bis zum Schluss völlig egal bleiben.

Oh, die Schlinge um Wrexfords Hals zieht sich langsam zu? Well, sucks to be him. Oh nein, jemand könnte Charlottes wahre Identität herausfinden? Weckt mich, wenn es soweit ist.

Roman nach Plan

Irgendwie wirkte alles ein bisschen halbgar. Routiniert herunter geschrieben, solide geplottet, die Figuren mit dem Plätzchenstecher ausgestochen. Denn natürlich ist der Earl nach außen kaltherzig und lässt sich nicht von Gefühlen leiten. Und natürlich ist Charlotte furchtlos und feisty, was anderes lässt so eine sauber abgearbeitete To-Do-Liste für einen historischen Roman ja gar nicht zu.

Am meisten interessiert haben mich dann auch tatsächlich die Nebenfiguren. Wrexfords sarkastischer Butler, zum Beispiel, der seinem Herrn die Meinung geigt und eigentlich wegen seinen Fähigkeiten als Laborassistent eingestellt wurde. Oder Wrexfords bester Freund Sheffield, der chronisch klamm bei Kasse ist und sich durchs Leben schnorrt. Oder aber eben das Brüderpaar, das sich halb bei Charlotte einquartiert hat.

Kann es sein, dass (kein) Weibsvolk anwesend ist?

Außerdem – merkt ihr was? Bis auf Charlotte kommen in dem Buch praktisch keine Frauen vor. Charlotte hat keine Freundinnen, kein Netzwerk, und selbst Wrexfords Familie scheint nur aus Menschen mit Y-Chromosom zu bestehen.  Wie gesagt, vielleicht hat mir die Lektüre von Regency Romance da einen zu hohen Standard vermittelt, aber zumindest eine weibliche Figur mehr sollte doch drin sein?

Blimey!

Zum Schluss: Die Autorin liest sich stellenweise recht deutlich wie die typische US-Amerikanerin, die jetzt versucht, nach ausgiebiger Lektüre von „Oliver Twist“ möglichst britisch-englischen Dialog zu schreiben.  Habt ihr mal „Mary Poppins“ auf Englisch gesehen? Erinnert ihr euch an Dick van Dykes fürchterlich falschen Cockney-Akzent? Ja, so ungefähr, garniert mit exzessivem Gebrauch von „Bloody“ und „Lads“.  Und plötzlich auftauchenden Anachronismen wie „Kudos“ und „cut tot he chase“, über die selbst eine Nicht-Muttersprachlerin wie ich gestolpert bin.

In diesem Sinne: Ich bin froh, dass ich nur das E-Book gekauft habe. Als Kindle-Deal. Für restliche Geld, das ich gespart habe, kaufe ich mir vielleicht noch eine Regency-Romance. Da weiß man wenigstens, was man hat.

1 Kommentar

  1. Fräulein liest: "The Silence of Bones" - June Hur - Das Bücherfräulein

    5. März 2022 at 20:10

    […] ausgeführt wurde, und wie sie sich Stück um Stück mit Seols eigener Geschichte zusammensetzte. Nachdem ich ja erst eine eher durchschnittliche (mild ausgedrückt) Murder Mystery gelesen hatte, demonstrierte “The Silence of Bones”, wie man es richtig macht. Die Nebenfiguren im […]

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