Handarbeit

Die Rückkehr der Strickjacke

Was wurde eigentlich aus meiner Anne-Shirley-Strickjacke, die ich mit so viel Enthusiasmus angefangen hatte zu stricken?

Na ja, erstmal nicht besonders viel. Nachdem ich echt eine lange Wegstrecke zurückgelegt hatte und furchtbar stolz auf mich war, hörte ich von einem Tag zum nächsten auf. Die Strickjacke wanderte auf den Tisch, wo sie eine ganze Weile rumlag. Und dann noch länger rumlag. Bis ich sie schließlich ganz wegpackte, damit das schlechte Gewissen mich nicht immer plagte.

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Scheitern für Anfänger

Ich weiß nicht, woran es letztendlich scheiterte. Vielleicht verlor ich angesichts des wahnsinnig dünnen Fadens, mit dem das Stricken dreimal so lange dauert, einfach die Geduld. Vielleicht bekam ich Angst. Oder aber ein neues Projekt verlangte meine Aufmerksamkeit. Gut möglich aber auch, dass es sich einfach meine “Strick-Phase” dem Ende näherte, denn meine Kreativität verläuft in Schüben. Ich kenne das schon.

Irgendwann schließlich war ich soweit, dass ich glaubte, ich würde das Ding einfach nie fertig stricken, weil ich schon gar nicht mehr wusste, wie stricken geht. Oder wo im Strickprojekt ich aufgehört hatte. (wie ich später herausfand, hatte Past!Romy letzteres fein säuberlich notiert, well done, Past!Romy.)

Von meiner Abneigung, Plastik zu tragen

Jedenfalls wollte ich mir vor ein paar Wochen noch ein oder zwei Pullover kaufen und stellte fest, dass selbst teurere Pullover mittlerweile zu 80% aus Polyacryl bestehen. Und nee, echt mal, das wollte ich nicht. Bei aller Liebe, ich gebe nicht 80Euro aus, um mich in Plastik zu hüllen. (Meine Lieblings-Produktbeschreibung war übrigens “mit Wolle”. So wie in Billig-Ravioli auch “mit Rindfleisch” steht)

photo (c) tara evans via unsplash

Okay, dachte ich frustriert, dann muss ich das wohl selbst in die Hand nehmen. Buchstäblich. Denn für dasselbe Geld kriege ich auch Garn aus Naturfasern, das ich “nur noch” zu einem Pullover zusammenstricken muss. (Für diesen Winter bin ich natürlich spät dran, aber so grundsätzlich …)

Da war doch diese Strickjacke

Dann fiel mir die Strickjacke wieder ein. Ich kramte sie also aus dem Schrank hervor, breitete sie vor mir aus und nahm die Nadeln in die Hand. Und das Großartigste passierte: Ich konnte es einfach. Ich hatte mir die ganze Zeit völlig umsonst Sorgen gemacht. Rechte und linke Maschen gingen wie von selbst.

photo (c) nynne schroder via unsplash

Seitdem sitze ich also wieder täglich an meinem Strickjacken-Projekt, denn diesmal will ich sie zu Ende kriegen. Natürlich habe ich schon wieder Fehler eingebaut, und mehr Löcher, als mir lieb ist. Vermutlich wird die Jacke am Ende weniger wie Anne Shirley aussehen und mehr wie “armes viktorianisches Waisenkind”, aber hey, it’s a look

Thoughts & Prayers

Auf jeden Fall wird sie kuschelig. Ich muss nur nochmal recherchieren, wie das mit dem Maschen dazunehmen ging. Oder wie das mit der Knopfleiste überhaupt funktionieren soll.

Zündet ein Licht für mich an.

(Auf gar keinen Fall habe ich aber schon dieses Strickmuster gekauft, obwohl sich die Anleitung für mich liest wie ein Geheim-Codex einer ominösen Bruderschaft.)

1 Kommentar

  1. Die Stricksaga - Jetzt erst recht - Das Bücherfräulein

    3. Juni 2022 at 10:32

    […] ihr, was ich in den letzten Wochen vermisst habe? Stricken. Ich weiß auch nicht, wer ich bin und was von mir Besitz ergriffen hat, aber in den letzten […]

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