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Hörbuch: „Die unendliche Geschichte“ – Michael Ende

Ich tue mich manchmal schwer mit Hörbüchern. Das liegt vermutlich daran, dass ich schon als Kind kaum Hörspiele gehört oder geschenkt bekommen habe. Mein Medium waren immer klassische Bücher, die ich in der Hand halten konnte. Das ist bis heute so geblieben (und meine ganzen E-Books zähle ich mal dazu).

Seit ein paar Jahren interessiere ich mich aber auch für Hörbücher, weil ich immer wieder Menschen begegne, die nicht nur ein Hörbuch nach dem anderen weginhalieren, sondern dabei auch noch echt viele andere sinnvolle Dinge tun. (Mein Kollege hat seine SF-Hörbücher grundsätzlich immer beim Zusammenbauen irgendwelcher Platinen gehört.)

Die Entdeckung von „Die unendliche Geschichte“ als Hörbuch

Nach einem ersten erfolglosen Start vor ein paar Jahren, weil ich bei Hörbüchern einfach immer gedanklich abschweife und die Hälfte der Handlung verpasse, stieß ich vor einer Woche bei Audible auf das Hörbuch von “Die unendliche Geschichte“. Oh, dachte ich. Oh. Das klingt nach einem Buch, das als Hörbuch wirklich gut für mich funktionieren könnte. Erstens, weil ich es schon kenne. Zweitens gefiel mir der Gedanke, mir Michael Endes Meisterwerk erzählen zu lassen. Die Hörprobe tat ihr Übriges: Ich wollte das haben. Und jetzt höre ich es und bin sooo verliebt.

Gesprochen wird die Hörbuch-Adaption von Gert Heidenreich, seinerseits absoluter Sprecher-Veteran. Und Himmel, er macht das einfach so fantastisch schön. Man bekommt fast das Gefühl, als habe Michael Ende jeden Satz, jede Betonung genau so gemeint, wie Gert Heidenreich sie spricht. 

Altes Buch
photo (c) sergiu valena via unsplash

Ich sage es, wie es ist: Es ist so schön.

Ein Hörbuch steht und fällt mit den Sprecher*innen, und wessen Stimme und Art zu sprechen man letztendlich mag, ist höchst subjektiv. Ich könnte mir zum Beispiel alles anhören, das Jeremy Irons jemals eingesprochen hat. Es gibt aber auch sicherlich genug Menschen, die mit seiner Stimme nichts anfangen können. Und sicherlich gibt es auch Sprecher, die in erster Linie wegen ihres Namens und nicht wegen ihres Könnens gebucht werden. Umso froher macht es mich, dass “Die unendliche Geschichte” so unglaublich gelungen ist. 

In Heidenreichs Performance spürt man in jedem Satz das Augenzwinkern, die Leidenschaft und die Magie des Textes. “Die unendliche Geschichte” ist ein Buch, das gesprochen mindestens genauso schön ist, wie den Text selbst zu lesen. 

Ein ganz neuer Zauber

Möglicherweise, weil der allwissende Erzähler in dem Buch die Geschehnisse hin und wieder kommentiert (das berühmte “Aber das ist eine andere Geschichte, und soll ein andermal erzählt werden” zum Beispiel), und man dadurch ohnehin das Gefühl bekommt, dass einem die Geschichte erzählt wird? Ich kann nicht genau sagen, woran es liegt. Aber beim Hören überkam mich das Gefühl, dass Bücher wie “Die unendliche Geschichte” als Hörbuch nochmal einen anderen Zauber entfalten. Dass sich einem plötzlich neue Ebenen erschließen, die man vielleicht vorher übersehen hatte. Damit das gelingt, braucht es natürlich einen hervorragenden Sprecher. Aber so einer ist Gert Heidenreich ja. 

Eine neue Art, Hörbücher zu hören?

Ich entdecke “Die unendliche Geschichte” gerade neu, und ich liebe es. (Hin und wieder vergesse ich auch einfach, wie gut Michael Ende war.) Vielleicht ist das ja einfach meine Art, Hörbücher zu hören. Texte, die ich kenne, gesprochen nochmal neu zu entdecken. 

Auf meiner Suche danach, was Gert Heidenreich eigentlich noch so an Hörbüchern gemacht hat, entdeckte ich übrigens, dass er auch “Momo” gelesen hat. 

Leute, ich weiß, was ich als nächstes höre. Sobald Bastian und Atréju Phantásien gerettet haben, versteht sich.

Mit freundlicher Unterstützung von Audible.

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